Als Jesus abhaute – Teil 8

Kaum war ich tapfer lächelnd in meine Schuhe geschlüpft um meinen guten Willen zu zeigen, meinte Jesus „Das wird ein schöner Spaziergang“.

Ich riss entsetzt die Augen auf „Du willst zu Fuß zum Schlossberg?“

„Ja natürlich, man geht kaum länger als eine Stunde“ er grinste stolz „Ich habe im Internet geschaut“.

Mein Lächeln verschwand „Na gut gehen wir“.

Es wurde der schönste Spaziergang meines Lebens. Mit Freude und Begeisterung, wies mich Jesus alle zwei Sekunden auf etwas hin, als wäre es ein Wunder. Ein besonders hübscher Stein, ein Schmetterling, ein blühender Baum. Alles erregte seine Freude und die war ansteckend. Selbst als ich als Kind das erste Mal nach Graz kam und schwer beeindruckt war von dieser Stadt, hatte ich nicht so genau hingesehen.

„Mein Vater ist ein Künstler, das muss man ihm lassen. Vorsicht Ameise, nicht drauf treten. Schau was er für wundervolle Wesen erschaffen hat!“. Er breitete die Arme aus. Doch in erster Linie sah ich gerade Autos die die Luft verpesteten und Menschen die grimmig drein schauend oder auf ihr Handy starrend ihrer Wege gingen.

Gerade noch hatte ich mit Jesus die Freude an einem hübschen Stein geteilt. Doch jetzt wurde ich etwas traurig.

„Stimmt Tina, ihr seid unachtsam und habt verlernt wunder zu sehen. Aber dass dich das Traurig macht gibt mir Hoffnung“, meinte Jesus.

„Und als nächstes müssen wir meinen Vater davon überzeugen, euch nicht auszulöschen“.

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Als Jesus abhaute – Teil 7

Ich war irritiert und entsetzt und tatsächlich nicht ganz sicher was ich gerade noch gedacht hatte. Das passierte so nebenher.

Gott war jedoch so freundlich mich darauf hinzuweisen.

„Du meinst also etwas Abstand würde uns vielleicht gut tun?“

„Ähm ja, das habe ich gedacht“.

„Nun gut dann versuchen wir das, schick ihn zurück zu mir wenn er so weit ist, es war schön mit dir zu reden, liebe Tina. Bis bald.“

Und schon hatte er aufgelegt.

Jesus lächelte zufrieden, ich konnte seine gute Laune jedoch nicht teilen, was machte ich denn jetzt mit dem? Eine Führung durch Graz? Und überhaupt wo sollte er denn schlafen, ich hatte nur ein kleines Bett und keine Couch.

„Mach dir keine Sorgen Tina, ich kann auf dieser hübschen Matte schlafen“, Jesus zeigte auf meine pinke Yogamatte. Na toll er konnte auch Gedanken lesen.

„Ich habe gehört der Schlossberg soll schön sein…“ strahlte er mich an.

Ich hatte nicht das geringste Interesse am Schlossberg, ich war schon so oft dort gewesen das er mich etwas langweilte. Aber ich hielt es für keine gute Idee Gottes Sohn zu enttäuschen.

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Als Jesus abhaute – Teil 6

„Da Costa“ hauchte ich nervös ins Handy.

„Ja, Hallo, hier Gott, dürfte ich mit meinem Sohn sprechen?“ Gott hatte eine tiefe, rauchige Stimme, da er so freundlich gefragt hatte, wäre ich seinem Wunsch sehr gerne nachgekommen.

Doch Jesus hatte sich vor mir und dem Handy in Sicherheit gebracht und schüttelte entscheiden den Kopf.

„Es tut mir wirklich sehr leid, aber ich fürchte er will gerade nicht mit Ihnen reden.“

Gott seufzte ins Telefon, er klang müde „Jesus hört mir einfach nicht mehr zu.“ Ich schwieg in der Hoffnung das Gott sich einfach nur mal verbal auskotzen musste, doch er sprach nicht weiter und ich fühlte mich zu einer nichtssagenden Antwort genötigt.

„Tja Kinder, mit denen hat man immer Sorgen“.

Gott war damit gar nicht zufrieden „Echt jetzt, ich hatte mir irgendwie mehr erwartet…“

Insgeheim dachte ich mir „He, wenigstens Antworte ich.“

Da wies mich Gott auf etwas nicht ganz unwichtiges hin „Ich kann übrigens deine Gedanken hören, sie sind viel interessanter als das was du sagst…“

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Als Jesus abhaute – Teil 5

Jesus deutete mein Entsetzen falsch „Oje es tut mir leid, ich habe nur vier oder fünf mal gelauscht! Beim ersten Mal war es ein versehen, doch du hast eine so humovolle, natürliche Art zu beten. Da ist es dann wieder passiert und wieder und wieder…“

Ich unterbrach Jesus „Keine Sorge, ich bin nicht wegen dir entsetzt, sondern weil ich nicht wirklich daran geglaubt habe das meine Worte bei ihm ankommen.“

„Warum hast du sie dann dennoch an ihn gerichtet?“ fragte Jesus neugierig.

„Hoffnung, ich denke es war Hoffnung. Darauf das es etwas oder jemanden größeren als uns gibt, der es eigentlich gut meint. Auch wenn es sich nicht immer so anfühlt…“

„Weißt du“ meinte Jesus „Er hört dir sehr aufmerksam zu, aber wir, wir streiten nur noch“, offensichtlich bedrückt, starrte Jesus mit hängenden Schultern auf meinen nicht unbedingt sauberen Boden.

Ich wollte gerade einen Versuch starten ihm dröstend die hängende Schulter zu tätscheln da läutete mein Handy und es erklang „Knocking on Heavens Door“ von Guns n‘ Roses.

Ich sah auf das Display, es zeigte eine unbekannte Nummer die bestand aus nur Einsern und Nullern und darunter stand nicht etwa Graz, München oder sonst was, sondern Himmel.

Jesus schüttelte energisch den Kopf als ahnte er böses. Doch es war zu spät ich hatte bereits reflexartig und wohlerzogen abgehoben.

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Als Jesus abhaute – Teil 4

Jesus lachte „Warum fragen das immer alle!? Natürlich habe ich sie geliebt, sie war eine wundervolle Frau, voller Wärme und Mitgefühl.“

Eigentlich hatte ich ja wissen wollen ob die Beiden sich auch körperlich Näher gekommen waren. Doch ich traute mich nicht zu fragen. Allerdings verrieten mir seine strahlenden Augen und seine geröteten Wangen, viel von seinen Gefühlen für Maria Magdalena.

Ich stellte meine zweite Frage „Also was führt dich her, Jesus?“

Er druckste verlegen herum „Na ja, ich brauchte etwas Abstand und ich war schon ewig nicht mehr auf Erden. Es ist sicher schon 10 Jahre her. Und Graz wurde mir empfohlen…“

„Du warst vor circa 10 Jahren auf Erden?“

„Ja weißt du ich mache manchmal Urlaub, falls du dich erinnerst, ich bin für eure Sünden gestorben. Aber ich muss gestehen manchmal frage ich mich wozu, wenn ich euch so beobachte…“

„Aha“ entgegnete ich „Aber was führt dich ausgerechnet zu mir!?“ ich verstand das beim besten Willen nicht.

Jetzt wurde er richtig verlegen „Na ja, ich habe gelauscht, als du zu meinem Vater gebetet hast“.

Ich war ein klein wenig entsetzt. Gott war für mich so ne Art guter Kumpel, mit dem ich reden konnte, der bedächtig und weise nickte, als würde er verstehen ohne zu urteilen.

Wer hätte gedacht das mein Geplappere echt bei ihm ankam, wer hätte gedacht das es ihn wirklich gab!


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Als Jesus abhaute – Teil 3

Jesus betrat meine kleine Wohnung. Zögerlich blieb er mitten in meinem Chaos stehen und meinte: „Hübsch hast du es hier“.

Ich musste über seine Höflichkeit lachen. „Es schaut schrecklich aus, ich habe seit 2 Wochen keine Zeit gefunden aufzuräumen.“

Jesus überlegte kurz „Soll ich dir helfen?“

Ich war entsetzt. „Bloß nicht! Ich lasse doch Gottes Sohn nicht bei mir putzen! Schieb einfach die Kleidung vom Stuhl und setz dich“.

Natürlich tat er das nicht. Sorgfältig entfernte er jedes Kleidungsstück einzeln vom Stuhl, dabei strich er es auch gleich glatt, um es dann auf den einzigen freien Platz zu legen. Dem Schreibtisch.

„Woher kommt eigentlich dieser interessante Geruch?“ wollte er wissen, als er sich endlich gesetzt hatte.

„Das nennt man kalter Rauch, kommt von Zigaretten.“ Entgegnete ich und schmiß die Kaffeemaschine an, bevor ich mich ihm gegenüber nieder ließ.

Ich wusste nicht welche Frage mir mehr auf der Seele brannte.

Was ihn hier her führte oder die Sache mit Maria Magdalena und ob da nicht doch ein bisschen was gelaufen war.

Die letzte der Beiden Fragen beschäftigte mich immerhin schon seit ich „Der Da Vinci Code“ von Dan Brown gelesen hatte. Was bereits einige Jahre zurück lag.

Daher platzte ich mit ihr zuerst heraus „Also, du und Maria Magdalena… Wart ihr verliebt?“

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Als Jesus abhaute – Teil 2

Doch kaum war die Tür geschlossen setzte das Klopfen wieder ein. Ich atmete ein paar Mal tief durch und öffnete die Tür erneut.

Jesus sah mich an, ich sah zurück, er lächelte, ich nicht.

„Tina, ich brauche deine Hilfe. Darf ich ein oder zwei Nächte bei dir pennen?“

Er sagte das so als wären wir alte Freunde, die sich schon ewig kennen. Doch so leicht wollte ich es ihm nicht manchen. „Woher kennen Sie meinen Namen?“

Er lachte auf und quietschte dabei ein bisschen, wie jemand dem es vollkommen egal war wie sein eigenes Lachen klang.

Es platzte einfach heraus, unbekümmert und wild. Dieses Lachen löste ein spontanes Glücksgefühl in mir aus und ich lächelte doch.

„Wüsste ich das dich mein Lachen erfreut, wäre ich nicht genau der, für den du mich hälst?“

Ich schwieg. Ich war verwirrt. Vielleicht hatte er mir meine Freude einfach angesehen. Doch er sprach weiter „Könnte ich wissen das du manchmal mit meinem Vater sprichst? Das hast du noch nie einem anderen Menschen erzählt. Es ist dir peinlich. Bei mir hast du dich übrigens nie gemeldet, ich könnte das persönlich nehmen, doch das ist nicht meine Art“.

Er zwinkerte mir nach seinen letzten Worten ungeschickt zu, wie jemand, der das zum ersten mal machte.

Obwohl ich noch immer Zweifel hatte und haben musste. Denn alles andere war zu verrückt. Sagte ich „Na gut, komm herein“.

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Als Jesus abhaute – Teil 1

Es war ein sonniger Tag, als Jesus abhaute und unerwartet vor meiner Tür stand.

In der Früh war es noch sehr frisch gewesen, ansonsten gibt es aber nichts außergewöhnliches zu berichten.

Es versprach ein Tag zu werden wie viele andere auch. Jedenfalls gab es keine Ankündigung, keine Vorwahrnung. Keine göttlichen Zeichen oder unerwartete Erkenntnisse, die in die Tiefe gingen.

Alles was es gab war ein vorsichtiges Klopfen an meiner Wohnungstür.

Es war jedoch so vorsichtig, das ich zuerst nicht darauf reagierte, in der Überzeugung es müsste die Tür meines Nachbars sein, an die geklopft wurde.

Doch es blieb, hartnäckig und vorsichtig, so das ich mir dachte, mal schauen was da los ist.

Zögerlich öffnete ich die Tür, ich hatte keinen Türspion und da ich keinen Besuch erwartete, wappnete ich mich insgeheim gegen alles und jeden was da lauern könnte. Postbote, Zeugen Jehovas, Nachbar mit der Frage nach Milch oder Zucker (irgendwie war es immer eines von Beiden), Pfadfinder…. und vieles mehr.

Doch auf einen war ich ganz sicher nicht vorbereitet, Jesus.

Er stand einfach da lächelte milde und ich dachte „Shit, da steht Jesus“.

Er sah nämlich bis ins kleinste Detail genau so aus, wie ich mir Jesus insgeheim immer vorgestellt hatte.

Lange braune Haare, Flip Flops an den Füßen, verträumte, dunkle Augen, die etwas hinter dem Horizont zu sehen schienen.

Vielleicht lag es am Schock, doch ich knallte ihm spontan, die gerade erst geöffnete Tür, wieder vor der Nase zu.

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Noch immer kein Gewinner

Leute, ihr macht es echt spannend;)

Ich würde sagen wir verlängern die Abstimmung noch um einen Tag, da es schon wieder unentschieden steht, zwischen Idee 2 und 3.

Also, bis Morgen 18 Uhr.

Es freut mich sehr das so viele mit abgestimmt haben.

Danke fürs mitmachen und viel Spaß noch.

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Noch kein Gewinner

Ich habe ganz brav Punkt 18 Uhr in den Blog gesehen.

Von Idee Nummer 1, müssen wir uns leider verabschieden.

Idee Nummer 2 und 3 liefern sich ein Kopf an Kopf rennen. Derzeit haben Beide 3 Stimmen. Daher wird für diese Ideen die Frist um genau einen Tag verlängert.

Bis Morgen 18 Uhr darf also weiter abgestimmt werden zwischen den Beiden.

Viel Spaß:)

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Idee Nummer 2- Als mein Körper eine Stimme bekam und lästig wurde

Da ich immer wieder höre, ich soll besser auf mich achten. Regelmäßig essen, ausreichend trinken (Kaffee zählt nicht), weniger rauchen und überhaupt etwas mehr auf meinen Körper hören.

Dachte ich mir, was wenn mein Körper die Geduld verliert und sich gegen meine Ignoranz zur wehr setzt.

Und zwar indem er eine laute, quietsche Stimme entwickelt die ein Echo in meinem Kopf erzeugt, und mich mächtig nervt.

Wie das ausgehen könnte erfahrt ihr bei dieser Idee.

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Idee Nummer 3 – Als Jesus abhaute

Inspiriert von einem meiner Lieblingsautoren, David Saphier, entstand folgende Idee.

Was wenn der Hippie, mit verträumten Augen und fast unerträglich sanftem Auftreten, der bei einem um Unterkunft bittet, sich als Jesus heraus stellt.

Er hat mal wieder Streit mit seinem Papa, das Schicksal der Menschheit betreffend und ist erstmal abgehauen.

Nach einem komplizierten Auswahlverfahren (vermutlich schmeiß er einen Kisel auf die Erde und schaute wo er landete), beschloss er ausgerechnet bei mir um Unterkunft zu bitten.

Ich habe eine 30 Quadratmeter Wohung, kann aber schwer „Nein“ sagen. So prinzipiel, nicht nur bei Jesus.

Aus dieser Unfähigkeit heraus entstand, nun eine Geschichte rund um Glaube, Hoffnung und Vater-Sohn Konflikte.

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Themenvorschau – Es wird schräg

Hallo zusammen.

Ich weiß nicht wie es euch geht. Aber nach dem ernsten Thema der letzten Wochen brauche ich unbedingt ein leichtes, vielleicht ein bisschen schräges, skurriles Thema.

Ich werde mir also was in dieser Richtung überlegen und euch die Themen dann vorstellten.

Ich hoffe ihr stimmt brav ab und habt Spaß daran.

Bis bald.

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Helmuts Abschiedsbriefe Teil 7

Liebe Amelia,

Als die alte Dame das nächste Mal in den Laden kam, tat ich etwas erstaunliches.

Es war nicht geplant.

Aber aus einem Gefühl heraus folgte ich ihr, als sie unseren Laden wieder verließ. Ich folgte ihr bis zu deinem Grab.

Dort stand sie lange. Es schien, sie redete mit dir.

Ich näherte mich ihr, um sie endlich zu fragen wer sie eigentlich war. Da verstand ich ihre Worte, sie schienen an dich gerichtet „Amelia, du hast mich hier her geschickt, doch ich weiß nicht wie ich ihm helfen kann…“

Da bemerkte sie jedoch mein Näherkommen und wand sich zu mir um. Nicht im geringsten überrascht mich zu sehen.

„Wer sind sie?“, fragte ich endlich.

„Das haben sie doch sicher längst erraten, ich bin Amelias Großmutter“, ein mildes Lächeln umspielte ihren Mund „Ich träumte von Amelia, von ihrem Ableben und einem trauernden Mann, den sie zurück ließ. Schön sie endlich kennen zu lernen. Ich glaube Amelia hat mich zu Ihnen geschickt“.

Du kannst dir vorstellen, wie verrückt das alles für mich klang. Und doch standen wir Beide gemeinsam bei deinem Grab.

Sie begann mir die Geschichte der Bücher zu erzählen, die vereinzelt in unserem Laden stehen. Ganz unscheinbar in der Masse an Büchern.

Natürlich kennst du die Geschichte bereits. Ich möchte sie dir dennoch schreiben. Damit ich sie nie vergesse.

Doch erst muss ich in den Laden, zu den Büchern, jetzt wo ich weiß wo sie hingehören.

Ich schreibe dir später wieder.

In Liebe,

Dein Helmut

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Helmuts Abschiedsbriefe Teil 6

Liebe Amelia,

Die alte Dame, ich habe sie genauer beobachtet. Sie berührt die Bücher nicht nur auf die gleiche Art wie du, sondern auch ganz bestimmte Bücher.

Es sind die alten Bücher aus deiner Kindheit die sie berührt. Du weißt schon, die Bücher die du immer als erstes begrüßt hast, wenn wir in den Laden kamen.

Du sagtest immer, diese Bücher sind alles was dir geblieben ist, von deiner Großmutter.

Sie gab sie dir, bevor du mit deinen Eltern fort gezogen bist. In ein weit entferntes Land und ein neues Leben.

Wer ist diese Frau nur?

Ich werde es für dich heraus finden.

In Liebe,

Dein Helmut

2+

Helmuts Abschiedsbriefe Teil 5

Liebe Amelia,

Die letzten Tage waren turbulent. Plötzlich war sie wieder da, die Kundschaft.

Die meisten hatten von deinem Tod gehört und kamen um mir Mut zu machen und Trost zu spenden.

Ich war gerührt, verlegen und durch und durch überfordert, mit all dem Mitgefühl das mir entgegenschlug.

Die alte Dame, von der ich bereits geschrieben habe, war wieder da, genau genommen kommt sie jeden Tag. Punkt 10 Uhr.

Sie schlendert durch den Laden, berührt das ein oder andere Buch, so liebevoll und achtsam wie auch du es immer getan hast. Und dann geht sie wieder, ohne auch nur eines aufzuschlagen, oder zu kaufen.

Diese Dame ist mir ein Rätsel und doch auf eigentümlich Art vertraut.

Du fehlst mir und doch wird es mit jedem Tag ein kleines Stückchen leichter zu ertragen, dieses Leben ohne dich.

Ich weiß das hättest du nicht gewollt und doch fühle ich mich ein klein wenig schuldig.

Darf es wirklich leichter werden?

In Liebe,

Dein Helmut

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Helmuts Abschiedsbrief Teil 4

Liebe Amelia,

Die erste Stunde in unserem Laden, ohne dich, verbrachte ich mit weinen.

Plötzlich warst du überall, dein Herz steckt in jeder Ecke dieses Ladens, ich konnte es schlagen hören, zwischen den Bücherreihen.

Ich glaube sogar, der sanfte Geruch nach Vanillie, der dich begleitet seit ich dir das Parfüm vor Jahren das erste Mal schenkte, lag noch in der Luft.

So nah habe ich dich nicht mehr bei mir gefühlt, seit du aus dem Leben gerissen wurdest. Ich konnte dich wieder bei mir fühlen und war mir doch so grausam sicher, dich für immer verloren zu haben.

Nicht einmal die Fenster zu öffnen wagte ich, aus Sorge der frische Wind, von draußen, könnte deinen Geruch und die letzten deiner Spuren, hinaus wehen.

Nach ungefähr einer Stunde hatte ich mich so weit gefasst, das ich den Laden öffnen konnte.

Es kam kaum Kundschaft, nur eine sehr alte Dame, die nichts kaufte. Normalerweise würde mir das Sorge bereiten, doch Heute war ich dankbar dafür.

Ich habe mich um die liegen gebliebene Buchhaltung gekümmert und diese vertraute Tätigkeit, gab mir ein wenig Halt zurück.

Jetzt ist es Abend und ich bin müde, es ist eine tiefe Müdigkeit, die mit den unruhigen Nächten, der letzten Zeit, wenig zu tun hat. Sie geht weit darüber hinaus, kommt aus den Windungen meiner Seele, als hätte ich mit meinen 30 Jahren bereits zu viel gelebt. Wäre bereits verbraucht.

Aber ich möchte nicht zu sehr klagen, wer weiß, vielleicht erreichen dich meine Worte, meine Gedanken. Sorge dich nicht wenn es so ist.

Ich werde nicht aufgeben.

In Liebe,

Dein Helmut

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Idee Nummer 1 – Das innere Kind

Man kennt das ja, man sitzt ganz gechillt bei der Psychologin, ahnt nix böses und dann fängt die Gute an vom inneren Kind zu reden.

Es ist verletzt, bedürftig, braucht Liebe und Unterstützung.

Man lächelt, nickt und antwortet „Na Sie kennen mich doch schon ein bisschen, glauben Sie nicht, ich sollte es zur Adoption frei geben… Es soll doch eine faire Chance haben im Leben.“

Aber irgendwie kommt man halt nicht raus aus der Sache, auch bezeichnet als Veratwortung für sich selbst.

Was für interessante, schöne, schwierige, aber auch lustige Situationen entstehen können wenn man sich auf sein inneres Kind einlässt und versucht erwachsen zu werden, erfahrt ihr bei dieser Idee

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