Als Jesus abhaute – Teil 9

Das traf mich unvorbereitet, ich war entsetzt, der nette, alte Herr mit dem ich telefoniert hatte, auch Gott genannt, wollte die Menschheit beseitigen.

„Ähm, wie bitte, er will uns auslöschen?“

„Ja deshalb streiten wir oft, aber mir kommt vor dieses mal ist es ihm ernst…. Er ist schon sehr enttäuscht. Er erschafft jeden einzelnen von euch mit viel Liebe, legt ein Teil von sich hinein und sieht dann wie ihr euer Leben verkorkst und die ganze Schöpfung gefährdet“

Insgeheim fragte ich mich ob vielleicht dieser Teil von Gott in uns das Problem war, was wenn Gott einfach auch verkorkst war…

Ich kannte das vom Schreiben, die Figuren die ich erschuf konnten so nervig und lästig werden, das ich gelegentlich überlegte sie auf tragische Weise umkommen zu lassen, wohl wissend das in jeder Figur ein Teil von mir steckte so das jede dieser Figuren mir ein Stück weit den Spiegel vor hielt, mich liebevoll neckte oder in den Wahnsinn trieb.

Jesus nickte bedächtig zu allem was ich dachte und mir wurde erneut klar das meine Gedanken nicht länger geheim waren.

„Du meinst also ihr seid so weil mein Vater auch verkorkst ist. Interessante Theorie, was macht man den bei Verkorkstheit?“

„Gesprächstherapie“, meinte ich trocken. Es sollte ein Scherz sein. Doch Jesus war begeistert.

„Ja, ich habe ihm schon oft gesagt er braucht jemanden zum reden“.

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Als Jesus abhaute – Teil 8

Kaum war ich tapfer lächelnd in meine Schuhe geschlüpft um meinen guten Willen zu zeigen, meinte Jesus „Das wird ein schöner Spaziergang“.

Ich riss entsetzt die Augen auf „Du willst zu Fuß zum Schlossberg?“

„Ja natürlich, man geht kaum länger als eine Stunde“ er grinste stolz „Ich habe im Internet geschaut“.

Mein Lächeln verschwand „Na gut gehen wir“.

Es wurde der schönste Spaziergang meines Lebens. Mit Freude und Begeisterung, wies mich Jesus alle zwei Sekunden auf etwas hin, als wäre es ein Wunder. Ein besonders hübscher Stein, ein Schmetterling, ein blühender Baum. Alles erregte seine Freude und die war ansteckend. Selbst als ich als Kind das erste Mal nach Graz kam und schwer beeindruckt war von dieser Stadt, hatte ich nicht so genau hingesehen.

„Mein Vater ist ein Künstler, das muss man ihm lassen. Vorsicht Ameise, nicht drauf treten. Schau was er für wundervolle Wesen erschaffen hat!“. Er breitete die Arme aus. Doch in erster Linie sah ich gerade Autos die die Luft verpesteten und Menschen die grimmig drein schauend oder auf ihr Handy starrend ihrer Wege gingen.

Gerade noch hatte ich mit Jesus die Freude an einem hübschen Stein geteilt. Doch jetzt wurde ich etwas traurig.

„Stimmt Tina, ihr seid unachtsam und habt verlernt wunder zu sehen. Aber dass dich das Traurig macht gibt mir Hoffnung“, meinte Jesus.

„Und als nächstes müssen wir meinen Vater davon überzeugen, euch nicht auszulöschen“.

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