Als Jesus abhaute – Teil 7

Ich war irritiert und entsetzt und tatsächlich nicht ganz sicher was ich gerade noch gedacht hatte. Das passierte so nebenher.

Gott war jedoch so freundlich mich darauf hinzuweisen.

„Du meinst also etwas Abstand würde uns vielleicht gut tun?“

„Ähm ja, das habe ich gedacht“.

„Nun gut dann versuchen wir das, schick ihn zurück zu mir wenn er so weit ist, es war schön mit dir zu reden, liebe Tina. Bis bald.“

Und schon hatte er aufgelegt.

Jesus lächelte zufrieden, ich konnte seine gute Laune jedoch nicht teilen, was machte ich denn jetzt mit dem? Eine Führung durch Graz? Und überhaupt wo sollte er denn schlafen, ich hatte nur ein kleines Bett und keine Couch.

„Mach dir keine Sorgen Tina, ich kann auf dieser hübschen Matte schlafen“, Jesus zeigte auf meine pinke Yogamatte. Na toll er konnte auch Gedanken lesen.

„Ich habe gehört der Schlossberg soll schön sein…“ strahlte er mich an.

Ich hatte nicht das geringste Interesse am Schlossberg, ich war schon so oft dort gewesen das er mich etwas langweilte. Aber ich hielt es für keine gute Idee Gottes Sohn zu enttäuschen.

1+

Als Jesus abhaute – Teil 6

„Da Costa“ hauchte ich nervös ins Handy.

„Ja, Hallo, hier Gott, dürfte ich mit meinem Sohn sprechen?“ Gott hatte eine tiefe, rauchige Stimme, da er so freundlich gefragt hatte, wäre ich seinem Wunsch sehr gerne nachgekommen.

Doch Jesus hatte sich vor mir und dem Handy in Sicherheit gebracht und schüttelte entscheiden den Kopf.

„Es tut mir wirklich sehr leid, aber ich fürchte er will gerade nicht mit Ihnen reden.“

Gott seufzte ins Telefon, er klang müde „Jesus hört mir einfach nicht mehr zu.“ Ich schwieg in der Hoffnung das Gott sich einfach nur mal verbal auskotzen musste, doch er sprach nicht weiter und ich fühlte mich zu einer nichtssagenden Antwort genötigt.

„Tja Kinder, mit denen hat man immer Sorgen“.

Gott war damit gar nicht zufrieden „Echt jetzt, ich hatte mir irgendwie mehr erwartet…“

Insgeheim dachte ich mir „He, wenigstens Antworte ich.“

Da wies mich Gott auf etwas nicht ganz unwichtiges hin „Ich kann übrigens deine Gedanken hören, sie sind viel interessanter als das was du sagst…“

1+

Als Jesus abhaute – Teil 5

Jesus deutete mein Entsetzen falsch „Oje es tut mir leid, ich habe nur vier oder fünf mal gelauscht! Beim ersten Mal war es ein versehen, doch du hast eine so humovolle, natürliche Art zu beten. Da ist es dann wieder passiert und wieder und wieder…“

Ich unterbrach Jesus „Keine Sorge, ich bin nicht wegen dir entsetzt, sondern weil ich nicht wirklich daran geglaubt habe das meine Worte bei ihm ankommen.“

„Warum hast du sie dann dennoch an ihn gerichtet?“ fragte Jesus neugierig.

„Hoffnung, ich denke es war Hoffnung. Darauf das es etwas oder jemanden größeren als uns gibt, der es eigentlich gut meint. Auch wenn es sich nicht immer so anfühlt…“

„Weißt du“ meinte Jesus „Er hört dir sehr aufmerksam zu, aber wir, wir streiten nur noch“, offensichtlich bedrückt, starrte Jesus mit hängenden Schultern auf meinen nicht unbedingt sauberen Boden.

Ich wollte gerade einen Versuch starten ihm dröstend die hängende Schulter zu tätscheln da läutete mein Handy und es erklang „Knocking on Heavens Door“ von Guns n‘ Roses.

Ich sah auf das Display, es zeigte eine unbekannte Nummer die bestand aus nur Einsern und Nullern und darunter stand nicht etwa Graz, München oder sonst was, sondern Himmel.

Jesus schüttelte energisch den Kopf als ahnte er böses. Doch es war zu spät ich hatte bereits reflexartig und wohlerzogen abgehoben.

2+