Als Jesus abhaute – Teil 4

Jesus lachte „Warum fragen das immer alle!? Natürlich habe ich sie geliebt, sie war eine wundervolle Frau, voller Wärme und Mitgefühl.“

Eigentlich hatte ich ja wissen wollen ob die Beiden sich auch körperlich Näher gekommen waren. Doch ich traute mich nicht zu fragen. Allerdings verrieten mir seine strahlenden Augen und seine geröteten Wangen, viel von seinen Gefühlen für Maria Magdalena.

Ich stellte meine zweite Frage „Also was führt dich her, Jesus?“

Er druckste verlegen herum „Na ja, ich brauchte etwas Abstand und ich war schon ewig nicht mehr auf Erden. Es ist sicher schon 10 Jahre her. Und Graz wurde mir empfohlen…“

„Du warst vor circa 10 Jahren auf Erden?“

„Ja weißt du ich mache manchmal Urlaub, falls du dich erinnerst, ich bin für eure Sünden gestorben. Aber ich muss gestehen manchmal frage ich mich wozu, wenn ich euch so beobachte…“

„Aha“ entgegnete ich „Aber was führt dich ausgerechnet zu mir!?“ ich verstand das beim besten Willen nicht.

Jetzt wurde er richtig verlegen „Na ja, ich habe gelauscht, als du zu meinem Vater gebetet hast“.

Ich war ein klein wenig entsetzt. Gott war für mich so ne Art guter Kumpel, mit dem ich reden konnte, der bedächtig und weise nickte, als würde er verstehen ohne zu urteilen.

Wer hätte gedacht das mein Geplappere echt bei ihm ankam, wer hätte gedacht das es ihn wirklich gab!


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Als Jesus abhaute – Teil 3

Jesus betrat meine kleine Wohnung. Zögerlich blieb er mitten in meinem Chaos stehen und meinte: „Hübsch hast du es hier“.

Ich musste über seine Höflichkeit lachen. „Es schaut schrecklich aus, ich habe seit 2 Wochen keine Zeit gefunden aufzuräumen.“

Jesus überlegte kurz „Soll ich dir helfen?“

Ich war entsetzt. „Bloß nicht! Ich lasse doch Gottes Sohn nicht bei mir putzen! Schieb einfach die Kleidung vom Stuhl und setz dich“.

Natürlich tat er das nicht. Sorgfältig entfernte er jedes Kleidungsstück einzeln vom Stuhl, dabei strich er es auch gleich glatt, um es dann auf den einzigen freien Platz zu legen. Dem Schreibtisch.

„Woher kommt eigentlich dieser interessante Geruch?“ wollte er wissen, als er sich endlich gesetzt hatte.

„Das nennt man kalter Rauch, kommt von Zigaretten.“ Entgegnete ich und schmiß die Kaffeemaschine an, bevor ich mich ihm gegenüber nieder ließ.

Ich wusste nicht welche Frage mir mehr auf der Seele brannte.

Was ihn hier her führte oder die Sache mit Maria Magdalena und ob da nicht doch ein bisschen was gelaufen war.

Die letzte der Beiden Fragen beschäftigte mich immerhin schon seit ich „Der Da Vinci Code“ von Dan Brown gelesen hatte. Was bereits einige Jahre zurück lag.

Daher platzte ich mit ihr zuerst heraus „Also, du und Maria Magdalena… Wart ihr verliebt?“

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Als Jesus abhaute – Teil 2

Doch kaum war die Tür geschlossen setzte das Klopfen wieder ein. Ich atmete ein paar Mal tief durch und öffnete die Tür erneut.

Jesus sah mich an, ich sah zurück, er lächelte, ich nicht.

„Tina, ich brauche deine Hilfe. Darf ich ein oder zwei Nächte bei dir pennen?“

Er sagte das so als wären wir alte Freunde, die sich schon ewig kennen. Doch so leicht wollte ich es ihm nicht manchen. „Woher kennen Sie meinen Namen?“

Er lachte auf und quietschte dabei ein bisschen, wie jemand dem es vollkommen egal war wie sein eigenes Lachen klang.

Es platzte einfach heraus, unbekümmert und wild. Dieses Lachen löste ein spontanes Glücksgefühl in mir aus und ich lächelte doch.

„Wüsste ich das dich mein Lachen erfreut, wäre ich nicht genau der, für den du mich hälst?“

Ich schwieg. Ich war verwirrt. Vielleicht hatte er mir meine Freude einfach angesehen. Doch er sprach weiter „Könnte ich wissen das du manchmal mit meinem Vater sprichst? Das hast du noch nie einem anderen Menschen erzählt. Es ist dir peinlich. Bei mir hast du dich übrigens nie gemeldet, ich könnte das persönlich nehmen, doch das ist nicht meine Art“.

Er zwinkerte mir nach seinen letzten Worten ungeschickt zu, wie jemand, der das zum ersten mal machte.

Obwohl ich noch immer Zweifel hatte und haben musste. Denn alles andere war zu verrückt. Sagte ich „Na gut, komm herein“.

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